Affiliation:
1. Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin, Medizinische Fakultät
der Universität Duisburg-Essen, LVR-Universitatsklinik Essen, Essen,
Germany
2. Schwule, MSM und Leben mit HIV, Deutsche Aidshilfe e. V., Berlin ,
Germany
Abstract
Zusammenfassung
Ziel der Studie Sexualisierter Substanzkonsum beschreibt den Konsum von
psychotropen Substanzen zum Sex. Als spezifische Variante gilt „Chemsex“, der
mit Männern, die Sex mit Männern haben (MSM), und Substanzen wie
Methamphetamin, Mephedron, GHB/GBL und Ketamin assoziiert ist. Sexualisierter
Substanzkonsum kann mit multiplen negativen physischen, psychischen und sozialen
Folgen einhergehen. Zur Veränderungsmotivation und Inanspruchnahme des
Suchthilfesystems von MSM mit sexualisiertem Substanzkonsum ist wenig bekannt.
Das Ziel der Studie war es, die Gruppe der Chemsex-Konsumenten näher zu
beschreiben, deren Konsummotive und Konsumkontexte sowie die
Veränderungsmotivation der MSM in Bezug auf den Substanzkonsum abzubilden und
deren Inanspruchnahme von Hilfeleistungen auszuführen.
Methodik Im „German Chemsex Survey“ wurde online eine Stichprobe von MSM
(N=1583) befragt. Die Umfrage umfasste 420 Items zu Substanzkonsum im sexuellen
Kontext, Konsummotiven, Aspekten psychischer Gesundheit, sexuell übertragbaren
Infektionen, negativen psychosozialen Folgen von „Chemsex“, und
Schadensminimierungsstrategien. Zudem wurden die Veränderungsmotivation sowie
die Inanspruchnahme von psychosozialen Hilfsangeboten erfragt.
Ergebnisse 54,3% der Männer gab an, Substanzen im Zusammenhang von
Sexualität konsumiert zu haben, 28,5% berichteten von typischen Chemsex
Substanzen. Die 30-Tage-Prävalenz für Chemsex-Substanzen betrug: 14,4% für
GHB/GBL, 11,2% für Ketamin, 8,2% für Methamphetamin und 6,1% für Mephedron. Die
Prävalenz von HIV lag bei 24,6% und für Hepatitis C bei 1,6%. Ein Drittel bis
die Hälfte der Konsumenten äußerten einen Veränderungswunsch bezüglich ihres
Konsums, 9,3% äußerten professionellen Unterstützungsbedarf. Lediglich ein
Prozent nahm aktuell Angebote der Suchthilfe in Anspruch.
Schlussfolgerung Ein Drittel bis die Hälfte der Befragten gab an, dass sie
eine Veränderung des Substanzkonsums im sexuellen Kontext anstreben. Die geringe
Nutzung von Suchthilfeangeboten spricht für eine Versorgungslücke für MSM mit
sexualisiertem Substanzkonsum.