Affiliation:
1. Institut für Qualitätssicherung und Versorgungsforschung, Tumorzentrum Regensburg, Universität Regensburg, Regensburg
2. Caritas Krankenhaus St. Josef, Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Thoraxchirurgie und Adipositasmedizin, Regensburg
Abstract
Zusammenfassung
Ziel der Studie Kliniken, die auf die Behandlung von Kolon- und Rektumkarzinomen spezialisiert sind und hohen Ansprüchen an die Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität genügen, können sich als Darmkrebszentren zertifizieren lassen. Es soll untersucht werden, ob eine Behandlung an Darmkrebszentren verglichen mit einer Therapie an nicht zertifizierten Krankenhäusern mit einem messbaren Überlebensvorteil einhergeht.
Methoden Grundlage dieser retrospektiven Kohortenstudie sind die bevölkerungsbezogenen Daten des klinischen Krebsregisters am Tumorzentrum Regensburg, das die süddeutsche Region Oberpfalz mit ca. 1,1 Mio. Einwohnern vollständig abdeckt. 4302 Patienten, bei denen man zwischen 2004 und 2013 ein Karzinom des Dick- oder Enddarms in radikaler Intention entfernte, wurden in 4 Vergleichsgruppen eingeteilt, um Zentren mit Nicht-Zentren zu vergleichen und die Versorgungssituation vor und nach Einführung der Zertifizierung abzubilden. Zur Untersuchung des 3-Jahres-Gesamtüberlebens kommen neben dem üblichen Kaplan-Meier-Verfahren auch multivariable Cox-Regression und Modelle zur Berechnung des relativen Überlebens zum Einsatz. Eine Sensitivitätsanalyse für fehlende Daten wird ebenfalls durchgeführt.
Ergebnisse Die geschätzte 3-Jahres-Überlebensrate von Zentrumspatienten und -patientinnen beträgt 71,6% verglichen mit 63,6% an nicht zertifizierten Krankenhäusern. Auch nach Adjustierung für wichtige Einflussvariablen ist die Behandlung an zertifizierten Darmkrebszentren mit einem signifikanten Überlebensvorteil verbunden (HR=0,808, KI: 0,665–0,982). Vergleicht man im zeitlichen Längsschnitt die Fälle heutiger Darmkrebszentren vor und nach Zertifizierung ergeben sich fast identische 3-Jahres Überlebensraten und auch in der Cox-Regression sind keine signifikanten Unterschiede festzustellen (HR=0,964, KI: 0,848–1,096).
Schlussfolgerung Die Behandlung an zertifizierten Darmkrebszentren ist im Vergleich zur Therapie an anderen Krankenhäusern mit besseren Überlebensraten assoziiert. Dass es im Längsschnitt betrachtet keinen messbaren Überlebens-Unterschied zwischen Fällen einer Klinik vor und nach ihrer Zertifizierung gibt, könnte auf eine frühzeitige und erfolgreiche Implementierung der geforderten Qualitätsstandards hinweisen.
Subject
Public Health, Environmental and Occupational Health
Cited by
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