Abstract
ZusammenfassungViele Lehramtsstudierende haben Schwierigkeiten, Verbindungen zwischen der Mathematik, die sie an der Hochschule lernen, und der Mathematik, die sie später in der Schule unterrichten sollen, zu erkennen. Dieses Phänomen wurde von Klein (1908) als doppelte Diskontinuität beschrieben und beschäftigt die Lehramtsausbildung noch heute. Mittlerweile haben verschiedene Hochschulen sogenannte Lehramtsaufgaben in ihre Lehre integriert, um diesem Problem entgegenzuwirken und Verbindungen zwischen Schul- und Hochschulmathematik explizit zu adressieren. Ergebnisse dazu, inwiefern Lehramtsaufgaben tatsächlich einer wahrgenommenen doppelten Diskontinuität entgegenwirken, gibt es bisher allerdings nur vereinzelt. Die in diesem Beitrag berichtete Fragebogen-Feldstudie mit 98 Studierenden in einer Treatmentgruppe von Gymnasiallehramtsstudierenden und Vergleichsgruppe Fachstudierender zielt daher darauf ab, erste Befunde zur Frage nach der Auswirkung von Lehramtsaufgaben auf die Wahrnehmung der doppelten Diskontinuität zu ergänzen. In der Studie bewirkten Lehramtsaufgaben keine Erhöhung der wahrgenommenen Relevanz von Hochschulmathematik für den Lehrberuf, konnten aber einem Absinken ebendieser vermutlich vorbeugen. Darüber hinaus zeigte sich in dieser Studie erwartungsgemäß, dass sich der Einsatz von Lehramtsaufgaben positiv auf die Wahrnehmung von Verbindungen zwischen Schul- und Hochschulmathematik auswirken kann. Ersteres bestärkt vorhandene Forschungsbefunde, Letzteres wurde in bisherigen Studien noch nicht einheitlich beobachtet. Es werden Ansatzpunkte für weiterführende Forschung zur hochschuldidaktischen Lehrinnovation der Lehramtsaufgaben abgeleitet.
Funder
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Publisher
Springer Science and Business Media LLC
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